7. Tätigkeitsfelder
 

a) Grundlagen
Die Atemarbeit ist ganz individuell. Keine Behandlung gleicht der anderen. Das kreative Element der Atemarbeit schließt jede Festlegung aus und bezieht sich ganz auf den lebendigen Augenblick.

Jeder Mensch, auch der/die Erkrankte, hat etwas, was als "heil" bezeichnet werden kann. Dies wird über den Atem erfahrbar. Nicht die Erkrankung steht hier im Mittelpunkt der Arbeit, sondern der Mensch in allen seinen Bezügen. Es geht dabei darum, dass er lernt, eigenverantwortlicher und bewusster sein Leben zu gestalten, so dass seine Widerstandskraft gegen krankmachende Einflüsse wächst.

Oft liegen die krankmachenden Ursachen in der Kindheit des/der Betreffenden. Die Auswirkungen, das heißt die Symptome, treten oft erst im Erwachsenenalter auf. In solchen Fällen kann mit der Atemarbeit häufig eine relativ rasche Lösung oder Ablösung von Festhaltungen oder ähnlichem erreicht werden, ohne dass der Klient unbedingt wissen muss, um welche Probleme es sich im Einzelnen gehandelt hatte.

Häufig wird zu Beginn von Klienten die Frage gestellt, "wie man richtig atmen solle". - Im Erfahrbaren Atem gibt es den Begriff "richtige" nur im Sinne von günstigen oder ökonomischen Atemweisen.

Ein Schwerpunkt der Atemarbeit bildet die Entwicklung eines Gespürs für die naturgemäßen Funktionsweisen des Organismus. Vor diesem Hintergrund können "eingefahrene" Atemformen erlebt und in ihrer persönlichen Bedeutung erfahren werden. Der Übende kann solche Atembilder durchdringen und wandeln.

b) Anwendungsbeispiele
Eine wachsende Zahl von KlientInnen sucht atemtherapeutische Praxen auf, um den Atem als Entwicklungsweg zu nutzen, die Persönlichkeitsbildung zu fördern oder um sich  beispielsweise im therapeutischen, pädagogischen oder seelsorgerischen Beruf fortzubilden.

KünstlerInnen, wie etwa SängerInnen, MusikerInnen und SchauspielerInnen schätzen das durch die Atemarbeit entstehende Empfindungsbewusstsein für den Leib und die wachsende Durchlässigkeit für den Atem, die sich unmittelbar positiv auf die Qualität der künstlerischen Aussage auswirken.

LehrerInnen und Angehörige anderer "sprechintensiver" Berufe kann der Atem zum Beispiel helfen, auch nach mehreren Stunden Unterricht die Tragfähigkeit der Stimme zu erhalten und mit Belastungen besser umgehen zu können.

Kinder und Jugendliche werden durch ins Spielerische abgewandelte Übungsweisen im Begreifen und Erfahren ihres Körpers und ihrer Umwelt unterstützt. 
So können zum Beispiel eine günstigere Körperhaltung sowie das Selbstbewusstsein gefördert werden. Allerdings wird mit Kindern und Jugendlichen nicht wie mit Erwachsenen gearbeitet, da der Erfahrbare Atem sich an eine "Ich-Instanz" wendet, die sich bei jungen Menschen noch in der Ausbildung befindet.  

Weitere Anwendungsmöglichkeiten:
Prävention und Rehabilitation
Geburtsvorbereitung und Schwangerschaftsbegleitung.  
Vitalisierung und Mobilisierung von Lebenskraft und Kreativität, besonders in der Geriatrie.  

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